Klimaaktivisten auf Weltreise?{12.05.2019}

Schon häufig haben wir darüber gesprochen, uns mit anderen Ausgetauscht und uns die Köpfe zerbrochen. Können wir denn überhaupt noch für die Klimagerechtigkeit demonstrieren? Dürfen wir anderen vorhalten, dass sie ihren CO2 Ausstoss minimieren sollen, wenn wir doch einmal um den Globus gejettet sind? Ja. Auch wenn Stefan und ich bei unseren Beweggründen für diese Reise geteilter Meinung sind. Hier sind wir uns einig. Der Satz «Niemand ist perfekt» geht uns auf die Nerven. Logisch sind wir es nicht. Es ist niemand. Aber damit sein Verhalten zu rechtfertigen ist der einfachste Weg. Und auch das Argument: «ich mache doch sonst schon so viel, da darf ich mir das leisten» ist für uns nicht die Lösung. Nur weil ich seit Jahren auf Fairtrade und Bio achte, versuche bereits bestehende Ressourcen zu nutzen und mir bewusst über meinen Einfluss auf die Natur bin. Das heisst noch lange nicht, dass ich mir nun leisten darf Kerosin in die Umwelt zu blasen. Es ändert nichts an der Umweltzerstörung des Fliegens.

Ich bin aus rein egoistischen Gründen reisen gegangen. ICH wollte die Welt sehen, ICH wollte neue Kulturen entdecken und ICH habe mich entschieden zu fliegen. Im Nachhinein ein Fehler. Auch mit Schiff, Auto, Bus und alternativen Möglichkeiten hätten wir unsere Reise machen können. Oder wir hätten auch einfach Europa bereisen können? Wir kennen schliesslich unsere Nachbarländer kaum. Aber ob dann in ein paar Jahren das Fernweh nicht doch so gross geworden wäre, und ich weit weit weg hätte gehen wollen, ist dahingestellt. Ich für meinen Teil, habe mich entschieden. Ich habe einen Fehler gemacht und dafür entschuldige ich mich bei Mutter Natur. Ich werde lange Zeit die CO2 Kompensation abzahlen müssen und immer mit meiner Entscheidung zu fliegen leben müssen. Ich bin vielleicht doch nicht mehr so Öko, wie ich gerne wäre. Aber trotzdem darf ich Klimaaktivistin sein. Und trotzdem darf ich mich für die Umwelt und ihren Schutz einsetzen. Trotzdem darf ich mich verbessern.

Jemand der einem kriminell war, darf trotzdem aus dem Gefängnis austreten, wenn er sich verpflichtet es besser zu machen (oder seine Strafe abgesessen hat).

Ich verpflichte mich nicht mehr zu fliegen. Für mich ist klar, der Flug von Südamerika nach Hause wird der Letze in meinem Leben sein. Jede Distanz in Europa kann und werde ich mit dem Zug, Bus Fähre, U-Bahn oder Auto überwinden könne. Und alle anderen Strecken müssen gut überlegt sein. Möchte ich wirklich 4 Monate auf offener See unterwegs sein und dann in Kuba ankommen? Vielleicht möchte ich das mal. Aber fliegen. Das möchte ich nicht mehr!

Versteht mich nicht falsch. Der Fehler und der Kerosinausstoss ist durch meine Verpflichtung nicht davongewischt. Ich muss mit diesem Fehler leben. Genauso wie ein Strafgefangener mit seiner Tat. Auch ich habe damit zu kämpfen, den Umgang damit muss ich lernen. Damit leben, das muss nur ich und kein anderer.

Annika & Stefan